Vor kurzem habe ich im Kino den Film Snowden gesehen. Zu meiner Überraschung war er besser gelungen als von mir erwartet und wirklich schön inszeniert. Es war interessant eine neue Perspektive zu bekommen, von etwas was ich selbst in den Medien mitbekommen habe. Damals habe ich die Nachrichten gehört und bin sofort wieder in meinen Tag eingestiegen. Zu erleben, wie es aus Snowdens Position verlief war gleich berührend und erschütternd.

Nach eigenen Angaben des Filmes beruhten die Geschehnisse des Films zwar auf der Realität wurden aber dramaturgisch verschärft. Es ist wichtig – besonders beim Schreiben dieses Artikels – das im Hinterkopf zu behalten. Dennoch war es gruselig die Möglichkeiten so direkt zu erleben. Last Week Tonight befragte einmal Passanten zu Edward Snowden, mit der Erkenntnis, dass viele Menschen nicht wirklich wussten, was es mit ihm auf sich hat. Diese Art Menschen profitieren von dieser Verfilmung am meisten. Gleichzeitig macht der Film auch hoffnungsvoll, weil er zeigt, dass ein Mensch etwas bewegen kann.

Doch nun zum Inhaltlichen, nämlich dem Konflikt zwischen den Interessen Snowdens und den Interessen Obamas:
Snowdens Interessen, beim ‚leaken‘ der Daten waren wohl, dass die Regierung für ihre Handlungen Rechenschaft ablegen sollen, eine größere Transparenz und Verantwortung der Geheimdienste erfochten werden soll und überhaupt eine öffentliche Disskusion über Privatsphäre und Rechte der Regierung in Gang zu setzen.

Präsident Barack Obama sagte, dass er die Beweggründe Snowdens nachvollziehen könne, es jedoch weniger schädliche Wege gegeben hätte, um seine Interessen zu erreichen. Dabei gab Obama hauptsächlich die Nationale Sicherheit und den Ruf der Vereinigten Staaten als Gründe an. Dazu kommen noch die möglichen Interessen von Informationsmacht und Einfluss auf andere Akteure des Weltgeschehens.

Diese Interessen haben die Tendenz eine höhere Gewichtung zu bekommen, wenn es um Lösungsfindungen geht. Damit meine ich, dass in dem Konflikt zwischen Sicherheit und Transparenz meistens Sicherheit gewinnt und damit eine kreative Lösungsfindung erschweren. Und genau hier liegt das Problem. Ich stimme Obama vollends zu, dass es bessere Möglichkeiten gegeben hätte. Ich zweifel jedoch an der Bereitschaft diese Möglichkeiten zu ergründen.

In dem Film sehen wir immer wieder, wie Snowdens Befürchtungen auf die gleichen Gegenargumente stößt.
An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, wie gefährlich es ist die Realität und Film zu vermischen, wie ich es gerade tue. Ich erlebe dennoch, dass diese Art der Argumentation eine Chimäre freisetzt, gegen die keine Gegenargumente ankommen können. Das ist nicht die Schuld des Präsidenten. Es ist etwas, was passiert, wenn viele kleine Zahnräder zu einer riesigen Maschine werden, die kein einzelner Mensch mehr in den Griff bekommt und die das Argumentieren für uns übernimmt.

Hätte Obama mit Snowden versucht eine Win Win Lösung zu finden, die Obamas Interesse einer Nationalen Sicherheit genau so genüge getan hätte, wie Snowdens Interesse nach einer transparenten Verantwortungsübernahme der Regierung? Oder wäre Snowden an den gleichen Argumenten hängen geblieben bzw. gar nicht erst bis zu Obama vorgedrungen? Das lässt sich nur spekulieren. Fakt ist: Was Snowden getan hat, hat Irritation hervor gerufen und damit etwas in Gang gesetzt. Aus Konflikttheoretischer Sicht ist das etwas Gutes.

Snowden – der Film und die Realität

Das könnte dir auch gefallen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.