Nicht nur in Amerika fragt man sich, wie man mit einem Präsidenten Trump am besten umgeht. Auch im Ausland überlegt man, wie man diplomatisch mit Trump handelt. Dabei wirkt es, als würden viele Staatsoberhäupter Trump belehren. Zum Beispiel, wenn Chinas Präsident Xi Trump erklärt, wie der Konflikt um das Zwei-Staaten System zu stande kam. Merkel hat Trump auch bereits über Nato und Völkerrechtsabkommen belehrt. Das ist auch gut so, da andere Staatsoberhäupter die einzigen zu sein scheinen, die den Status haben, damit ihr Rat bei Trump Gehör findet. Amerikanische Medien (Die von Trump zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt wurden), Demokraten und selbst Experten haben es da oft schwerer.

Die Frage, die ich mir stelle, ist: Könnte man mit Trump eine Mediation führen? Mein Bauchgefühl sagt erstmal Nein, aber ich werde trotzdem versuchen, die Pro und Kontra Argumente zu ergründen.

Man kann sagen, dass Konflikte durch 3 Möglichkeiten gelöst werden können: Durch den Einsatz von Macht, Rechtswege oder dem Diskurs über Interessen. Eine Mediation ist ein Prozess, bei dem es fast aussschließlich um Interessensabgleich geht. Jemand der über Macht verfügt und auf diese Weise seine Lieblingslösungen bekommen kann, ist meistens zurückhaltender ein Verfahren zu wählen, was ihn dazu bringen könnte, einen Kompromiss finden zu müssen.

Trump hat mehrfach gezeigt, dass Macht das Mittel seiner Wahl ist. Viele Probleme, die die Trump Administration bisher hatte, wurden durch den Einsatz von Macht angegangen. Beispielsweise die Entlassungen von Sally Yates oder James Comey. Auch der Exessive Gebrauch von Dekreten deutet darauf hin, dass Lösungen durch Machteinsatz statt durch Diskurs erreicht werden sollen. Auch sein Fokus auf die Aufrüstung des Militärs zeigt dies deutlich: Sein offizieller Grund für die Stärkunug des Militärs ist, weil er auf ‚Peace through strength‘ setzt.

Wenn die Mediation mit anderen Staatsoberhäuptern verläuft, ist es sehr wahrscheinlich, dass es möglich ist. Denn wenn der Präsident interessiert ist, eine gute Beziehung zu den anderen Staaten zu haben und die andere Person als ebenbürtig sieht, wird er vermutlich versuchen, einen guten Mediationsprozess zu führen. Bei einer Mediation mit jemandem, der ihm hierarchich unterlegen ist, wird er vermutlich eher auf seine Macht setzen.

Dann sein wiederkehrendes Thema nur jenen Fakten zu glauben, die seine Seite stärken und alles andere als Fake News zu bezeichnen. Auch das bringt eine weitere Kerbe in die Annahme eine Mediation könnte funktionieren. Bei einer Mediation wird versucht, eine gemeinsame Realität zwischen den Parteien herzustellen, mit der man dann arbeiten kann. Angenommen, wir würden eine Verhandlung über Klimawandel machen und eine der Parteien leugnet, dass dieser überhaupt existiert. Wie kann dann ein Prozess geführt werden?

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vorraussetzung, dass Parteien in einer Mediation eigenverantwortlich im Prozess mitwirken. Jedoch gab es einige Anzeichen, dass Trump nur Verantwortung für Siege übernimmt. Für Dinge, die nicht so gut laufen, wurde die Verantwortung oft weiter gereicht. (Andererseits ist es wohl generell eine übliche Aussage, dass Schuld immer die Vorgängerregierung ist. Das ist also eigentlich gar keine so neue Sache, die man nur auf Trump beziehen könnte.)

In dem Zusammenhang ist auch wichtig, dass er oft keine Verantwortung für seine Aussagen übernimmt. Er ist berüchtigt dafür, früheren Aussagen komplett zu widersprechen. Zum Beispiel indem er Dinge tut, die er einst Obama vorgeworfen hatte. Oder indem er das Gegenteil sagt, von Dingen, die er seinen Wählern versprach. Das heißt, es ist schwer eine Verbindlichkeit zu erreichen, selbst wenn man es zum Ende des Prozesses schaffen sollte. Wer garantiert, dass sich Donald Trump an seine Vereinbarungen halten würde?

Last but not least: Der Vorwurf des Narzismus. Dieser wurde bisher nur von Psychologen als Ferndiagnose gegeben, deswegen muss das mit Vorsicht betrachtet werden. Jedoch treffen viele Kriterien, die von der APA aufgestellt wurden bei ihm direkt ins Schwarze – oder zumindest bei seiner Persona in der Öffentlichkeit. Angenommen also, dass er wirklich klinisch narzistisch sei: Kann man mit so jemandem eine Mediation führen? Ja, das ist durchaus möglich. Jede Form von psychischer Erkrankung ist jedoch mit mehr Fingerspitzengefühl anzugehen. Wichtig ist jedoch, dass man niemanden bloßstellt. Zu versuchen einen Narzisten in einer Mediation „runterzuholen“ bewirkt oft das Gegenteil. Stattdessen muss man mit dem Narzisten wertschätzend umgehen, ohne dabei von seinen Werten abzulassen. Gleichzeitig muss jedoch vom Mediator gewährleistet sein, dass die andere Person den gleichen Raum bekommt, um einen Ausgleich zu schaffen. In dem Moment, in dem ein Narzist sich gehört fühlt, kann er die Kapazität aufbringen, der anderen Person zuzuhören. Soviel zum Allgemeinen Umgang mit Narzissmus. Genau das bei Trump zu tun, darum beneide ich jedoch niemanden, da ich glaube, dass da wirklich viel Arbeit zu tun ist, bevor da eine Erweichung zu sehen ist.

Alles in allem sprechen mehr Dinge gegen eine Mediation als dafür, aber immer noch genug um es zumindest versuchen zu können. Jedoch müsste dies immer zwischen Trump und einer Person sein, die in einer ähnlichen Position ist. Vermutlich bräuchte es sogar einen prestigeträchtigen Mediator (bzw. Mediatoren, denn einer allein würde bei weitem nicht ausreichen). Dann muss jedoch noch geklärt werden: Wer hat die nötige Referenz und dennoch genug Abstand, um bei einer Mediation mit Donald Trump wahrlich neutral zu bleiben?!

Eine Mediation mit Donald Trump

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