Ein Dilemma ist der Zustand, wenn zwei moralische Werte gegeneinander stehen. In einer Dilemma Situation sind beide Entscheidungsmöglichkeiten gleichwertig. Dilemmata entstehen dabei öfter als man denkt. Die sogenannte Zwickmühle begegnet uns in alltäglichen Situationen. In Mediationen tritt eine Dilemma Situation häufig ein, wenn Medianten Positionen haben, die nur entweder/oder lösbar sind. Zum Beispiel, wenn einer der Ehepartner die Scheidung und der andere die Beziehung erhalten will. In diesem Beispiel entfernt sich der Mediator von den Positionen „Ehe: Ja/Nein“ zu den Interessen die hinter den Positionen stehen. Zum Beispiel könnte hinter dem Wunsch nach Scheidung das Bedürfniss nach freier Entfaltung sein. Und hinter dem Erhalt der Beziehung stünde möglicherweiße Harmonie und Familiengefühl für die Kinder. Nicht nur sind diese Interessen miteinander vereinbar. Es gibt jetzt auch mehr als 2 Handlungsmöglichkeiten. Damit ist es kein Dilemma mehr.

Jedoch ist es manchmal nicht so „einfach“ und ein Dilemma lässt sich nicht lösen. Dann handeln wir bei beiden Lösungen falsch und gleichzeitig richtig. Leider fokussieren sich die meisten Menschen lieber darauf, warum die Handlung falsch war, wie etliche Stammtisch-Diskussionen, Nachrichtenartikel und Forenbeiträge zeigen. Zu diesem Zweck hat Prof. Dr. Georg Lind das System der Dilemma Diskussion entwickelt. Ich habe weiter unten ein Youtube-Video eingefügt, in dem er das Konzept anreißt.

Seine Intention ist es, Schülern beizubringen, beide moralischen Werte eines Dilemmas anzuerkennen und miteinander wertschätzend zu kommunizieren. Dabei sollen Argumente verschiedener moralischer Prinzipien ausgetauscht werden und dabei die andere Meinung des Gegenüber als gleichwertig zu akzeptieren. Zum Beispiel könnte eine Seite einen utilitaristischen Standpunkt haben (Der Nutzen ist wichtiger als die Tat und soll dem Gemeinwohl dienen, statt einer Person) und die andere Seite einen deontologischen Standpunkt (Handlungen werden nicht nach dem überliegendem Nutzen beurteilt, sondern ob die Handlung in sich gegen eine Norm verstößt).

Ein Zitat  aus dem beigefügten Video unterstreicht besonders gut meine Haltung als Mediator:

Dr. Lind rezitierte Sokrates mit den Worten: „Der Mensch ist insofern gut, als es um seine moralischen Ideale und Prinzipien geht. Jeder Mensch hat hohe moralische Ideale, wie das Gute. Er ist aber insofern schlecht, was seine Fähigkeit angeht, diese Prinzipien im Alltag umzusetzen.“ [sic]

Das ist eben jene Haltung, die wir uns in der Mediatoren-Ausbildung aneignen. Wir suchen die positive Intention einer Handlung, statt sie zu verurteilen (Stattdessen beurteilen wir die Handlung nach dem Maßstab, wie sie die Bedürfnisse Aller stillen oder nicht stillen konnte). Jemand der seine Konflikte durch Gewalt löst, tut dies -aus Mediatoren Sicht- nicht weil er zum Beispiel ein Psychopath ist. Er tut es, weil er es irgendwann mal als einzige Fähigkeit gelernt hat, mit Konflikten umzugehen. Würde er einen besseren Weg kennen, würde er diesen auch nutzen.

 

Dilemma Diskussion – Jeder Mensch ist gut!

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